Weiter mitschwimmen oder sich gegen den Strom stellen? Diese Lebensfrage erörterte Zeitzeuge Lutz Kuschel mit Schülerinnen und Schülern des Ludwig-Erhard-Berufskollegs am 9. Februar 2019.

Im Jahr 1984 änderte sich Kuschels Leben dramatisch, denn sein Traum von Olympia platzte. Als Teil der Wasserball-Olympiamannschaft der DDR hatte er sich für den Höhepunkt in Los Angeles qualifiziert, doch es sollte anders kommen. Das NOK der DDR schloss sich dem Boykott der Sowjetunion an, die DDR-Sportler blieben zuhause. 

Die kämpferischen Wasserballer akzeptierten diese Entscheidung jedoch nicht. Äußerst medienwirksam demonstrierten sie ihren Unmut. Diese politische Provokation ließ sich die SED-Führung in Ost-Berlin nicht bieten. Die Sportler wurden innerhalb kürzester Zeit suspendiert, Kuschel als einer der Rädelsführer vom Ministerium für Staatssicherheit verhaftet. 

Es folgte ein 182-tägiger Kampf in den Zellen Hohenschönhausens, dem berüchtigten Stasigefängnis, gegen Gewalt, Dunkelheit und die eigenen Ängste, in den Verhören zu zerbrechen. 

Die Wucht der Schilderungen hinterließ einen großen Eindruck bei allen Schülerinnen und Schülern. Die Unfassbarkeit des Haftalltags stand dann auch im Vordergrund in den sich anschließenden Fragerunden, wobei die entscheidenden Fragen den Nachhauseweg bestimmten: Wie weit wäre ich gegangen und hätte ich widerstehen können?  

2019 02 13 Zeitzeugen