EU flag-Erasmus plus min GroesseFáilte go hÉirinn – Willkommen in Irland

(geschrieben von Nicole Broer)

Paderborn. Endlich war es soweit: Das Highlight am Ende meiner Sommerferien: eine Woche Job Shadowing an einer irischen Schule, in Mallow/Cork in Irland. Möglich wurde diese Reise dank des von der EU geförderten Erasmus+ Programmes, das unter anderem vorsieht Lehrerinnen und Lehrer ins europäische Ausland zu schicken, damit sie internationale Erfahrungen sammeln können, neue Unterrichtsmethoden kennenlernen, ihre interkulturelle Kompetenz erweitern und die eigenen fremdsprachlichen Fähigkeiten verbessern.

Und so flog ich vom 23.08.-31.08.2019 nach Irland zu meinem eTwinning-Partner Ronan O’Sullivan nach Cork und lebte eine Woche lang in einer irischen Gastfamilie mit fünf Kindern. Es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit die irische Kultur und Lebensart kennenzulernen und sich mit den Essensgewohnheiten und dem alltäglichen Leben einer irischen Familie vertraut zu machen. Der typische sunday roast, bacon and eggs und Irish Cheddar durfte ebenso wenig fehlen wie die Camogi und Hurley Matches der Kinder sowie Sonntagsausflüge zum benachbarten malerischen Ort Kinsale und der Besuch eines typisch Irish pubs mit Live-Musik.

Am Montagmorgen wurde ich sehr freundlich am Davis College in Mallow von den irischen Kolleginnen und Kollegen willkommen geheißen und man gewährte mir einen Einblick in verschiedene Unterrichtsfächer und Klassen. So hospitierte ich nicht nur in meinen eigenen Fächern Englisch und Wirtschaft sondern auch im Deutsch-, Mathe- und Musikunterricht und erhielt eine kleine Einführung in die gälische Sprache, eine Sprache die so rein gar nichts mit den mir bekannten Fremdsprachen gemeinsam hatte. So schlüpfte ich also in die Rolle einer Schülerin und bekam eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlen muss, wenn man dem Unterricht nur ansatzweise folgen kann. Neben der Hospitation hatte ich aber auch die Gelegenheit kurze Unterrichtseinheiten selbst zu übernehmen und informierte die Schülerinnen und Schüler über unsere eigene Schule und die Region Ost-Westfalen sowie ihre dazugehörigen Wirtschaftszweige, was von den Schülerinnen und Schülern mit großem Interesse aufgenommen wurde.

850 Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahre werden am Davis College unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler verlassen die Sekundarschule in der Regel mit einem “Leaving certificate” dem sogenannten Abitur. Aber auch andere Abschlüsse, vergleichbar mit unserem Fachabitur kann man je nach Leistungsstand erwerben. Sitzenbleiben kann man in Irland nicht. Generell sind die irischen Schulen weltweit bekannt für ihr hohes Bildungs- und Schulniveau und tatsächlich merkt man das im Unterricht und im Gespräch mit den äußerst disziplinierten und aufgeschlossenen Schülerinnen und Schülern. Vielleicht tragen auch die Uniformen dazu bei, dass dieser Eindruck bestätigt wird. Ein Grund mehr darüber nachzudenken, ob eine Schuluniform nicht doch auch bei uns eine gute Alternative wäre, um dem alltäglichen Stress mit dem passenden Outfit zu entgehen.

Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler von ca 90 Lehrerinnen und Lehrern, die sich ebenfalls eher elegant kleiden. Eine Jeans zu tragen ist dort eher ein “Fauxpas” den man tunlichst vermeidet. Ein normaler Schultag beginnt in Irland um 9:00 Uhr und endet um 16 Uhr. Ein Start um 9 Uhr entschärft doch sehr den allmorgendlichen Stress beim Aufstehen und auch auf den Straßen. Die Schülerinnen und Schüler scheinen deutlich ausgeruhter als bei uns und die Zeit für Freizeitaktivitäten am Abend bleibt dennoch erhalten. Camogi, Hurley (irisches Hockey) oder Irish Football Matches stehen auf dem Programm.

Aber auch Musikförderung und Theater werden angeboten, entweder privat oder auch im Rahmen von AGs in den Schulen. Der Schulalltag am Davis College ist allerings sehr quirlig, was daran liegt, dass das Gebäude aktuell deutlich zu klein geworden ist für die Vielzahl an Schülerinnen und Schülern. So musste sich das Davis Collge vorerst mit Container-Klassenzimmern begnügen und aus jeder nur denkbaren Ecke ein Klassenzimmer zaubern. Mittlerweile wurde jedoch ein Neubau genehmigt, der im nächsten Jahr fertig gestellt werden soll, dann spätestens dürfte der Schulalltag etwas ruhiger werden.

Gespräche über eine zukünftige gemeinsame Erasmus+ Arbeit beider Schulen und weitere eTwinning-Projekte durften in dieser Woche natürlich nicht fehlen, und spätestens nach dieser Woche ist eine echte deutsch-irische Freundschaft entstanden, die weit über die normalen beruflichen Beziehungen hinaus geht. Die sicher beste Voraussetzung für weitere gemeinsame Europa-Projekte und Begegnungen.

Artikel auf der Homepage